Überhaupt nur rund ein Prozent aller Lymphknotenschwellungen beruhen auf bösartigen Veränderungen. Sie sind zudem oft heilbar
Normalerweise sind Lymphknoten allenfalls vereinzelt in der Leiste als kleinste Knötchen zu fühlen. Am Hals sind sie bei gesunden Menschen weder sicht- noch tastbar. Auf vergrößerte Lymphknoten im Halsbereich kann man je nach Ursache zum Beispiel unter dem Kinn, unter dem Unterkiefer, hinter dem Ohr, im Nacken, unterhalb des Ohrläppchens, seitlich am Hals oder über den Schlüsselbeinen stoßen.
Vergrößerte Lymphknoten können als Symptom unterschiedliche Bedeutung haben. Nicht selten sind die auf bestimmte Körperbereiche begrenzt. Am Hals ist ein solches örtlich begrenztes (regionales) Vorkommen sogar sehr häufig, nicht zuletzt wegen der weit verbreiteten Atemwegsinfektionen. Gerade regionale Lymphknoten reagieren hier oft merklich, weil die Immunabwehr gefordert ist.
Gelegentlich finden sich aber auch in den Achselhöhlen, Leisten oder innerlich, im Brust- oder Bauchraum, vergrößerte Lymphknoten. Im letzteren Fall können Beschwerden wie Husten, Heiserkeit, eine Halsvenenstauung (siehe Schwellung am Hals) oder Verdauungsprobleme entstehen. Von einer generellen Tendenz zur Lymphknotenschwellung oder -entzündung (Ärzte sprechen hier von Lymphadenopathie oder Lymphadenitis) ist auszugehen, wenn Lymphknoten bei einem Betroffenen in mehr als drei unabhängigen Gruppen erkrankt sind. Oft stecken ebenfalls Infektionskrankheiten dahinter, zum Beispiel Virusinfektionen (Epstein-Barr-Virus, Zytomegalie-Virus und andere, siehe Kapitel „Infektionen“). Daneben kommen Erkrankungen des Immunsystems, des Lymphsystems oder sogenannte granulomatöse Krankheiten als Ursachen infrage. Mehrheitlich sind das gutartige, mitunter trotzdem ernsthafte, und viel seltener bösartige Erkrankungen.
Aber auch beim chronischen Erschöpfungssyndrom (chronic fatigue-Syndrom) können mitunter Lymphknoten anschwellen. Das vielschichtige Krankheitsbild ist selten und schwer fassbar. Plötzlich einsetzende bleiernde Müdigkeit – mit oder ohne vorausgegangene Belastungen – Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, sowie psychische Störungen gehören zu den Symptomen. Mehr dazu im Ratgeber Müdigkeit.
Lymphknoten stellen zentrale Stationen des Lymph- und Abwehrsystems dar. Lymphzellen vermehren sich hier und werden auf ihre speziellen Abwehraufgaben vorbereitet. Die Knoten bilden ein weitläufiges Netz mit Filterstationen für die Gewebeflüssigkeit, die Lymphe. Jeder Lymphknoten entsorgt ein ganz bestimmtes, manchmal sehr begrenztes Körpergebiet. Dann gibt er sein Filtrat an die nächste, regionale Lymphknotenstation weiter. Die Kenntnis dieser Zusammenhänge hilft dem Arzt, Erkrankungsquellen zu orten.
Dazu und wie sich die Diagnose ergibt, mehr in den folgenden Kapiteln.
Literatur:
A. Sturm, W. Zidek, Differenzialdiagnose Innere Medizin, Thieme 2003
Mark B. Mengel, L. Peter Schwiebert, Family Medicine,
McGraw-Hill Lange 2009
A. Viktor, S. Linke, C. Dahlmann, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde,
Urban & Fischer, 2007
Gerd Herold und Mitarbeiter: Innere Medizin, 2012
www.apotheken-umschau.de;
19.05.2009, aktualisiert am 16.05.2012
Bildnachweis: W&B/Corbis GmbH/ RYF
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