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Herzmuskelentzündung (Myokarditis)

Die Myokarditis ist definiert als ein Entzündungsprozess im Herzmuskel. Die Krankheit kann akut oder chronisch verlaufen. Mehr Informationen zu Ursachen, Symptomen und Therapien


Das Herz: Die blauen Pfeile zeigen den Fluss des Blutes aus den großen Venen des Körpers in die rechte Herzhälfte an. Von dort strömt das Blut in die Lungengefäße, wo es mit Sauerstoff angereichert wird. Schließlich fließt das Blut in die linke Herzhälfte (rote Pfeile) und von dort weiter in die Hauptschlagader (Aorta)

Als Myokarditis bezeichnen Ärzte eine Entzündung des Herzmuskels, welche in erster Linie durch Viren, seltener durch Bakterien, Parasiten, toxische Substanzen oder Medikamente verursacht wird. Eine Herzmuskelentzündung kann aber auch als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen auftreten. Ist neben dem Herzmuskel zusätzlich der Herzbeutel (Perikard) entzündet, spricht man von einer Perimyokarditis.

Welche Symptome deuten auf eine Myokaditis hin?

Typische Symptome (Anzeichen) einer Herzmuskelentzündung gibt es nicht. Die Verdachtsdiagnose stützt sich auf eher unspezifische Beschwerden, wie sie in Verbindung mit grippalen Infekten oder anderen fieberhaften Infektionskrankheiten vorkommen. Treten mit dem Infekt Herzrhythmusstörungen, Atemnot oder Brustschmerzen neu auf, sollte das jedoch an eine Herzmuskelentzündung denken lassen.


Nicht selten wird eine Herzmuskelentzündung gar nicht oder zu spät diagnostiziert, da eine Mitbeteiligung des Herzens bei einem grippalen Infekt nicht vermutet oder übersehen wurde. Eine nicht erkannte Myokarditis kann zur Gefahr werden, wenn während der Krankheit sportliche Höchstleistungen vollbracht werden. So hat man bei jungen Menschen, die plötzlich – meist in Ausübung eines Leistungssports – verstarben, bei etwa 10 Prozent eine Herzmuskelentzündung als Ursache festgestellt.

Wie sind die Heilungsaussichten bei Myokarditis?

Etwa die Hälfte der Patienten erholt sich vollständig von der Erkrankung. Die übrigen Betroffenen behalten mehr oder weniger deutliche Zeichen einer Funktionsstörung des Herzens bei. Ein kleiner Teil hat mit einer erheblichen Verschlechterung des Befindens zu rechnen. In manchen Fällen kann sogar eine Herztransplantation nötig sein.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Experten-Sprechstunde
mit Professor Delius


Prof. Dr. med. Wolfram Delius ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie in München




Klicken Sie auf die Balken, um Antworten auf die gestellten Fragen zu erhalten!


Muss ich mich nach einer Herzmuskelentzündung schonen?

Ist längere Schonung bei einer Herzmuskelentzündung praktisch noch wichtiger als nach einem Herzinfarkt?

Bei beiden Krankheitsbildern sollte in jedem Einzelfall mit dem Arzt abgeklärt werden, wo die individuelle Belastungsgrenze liegt. Er wird das vom Gesamtzustand und den objektiven Untersuchungsbefunden – vor allem EKG, Herz-Ultraschall (Echokardiogramm) und Belastungstests auf dem Fahrradergometer – abhängig machen. Nach einer Herzmuskelentzündung können Ärzte das Stadium der Heilung manchmal schwerer beurteilen als nach einem Herzinfarkt. Hat die Entzündung sogenannte Wandbewegungsstörungen am Herzen hinterlassen, ist es häufig auch für Experten schwierig, zwischen einem definitiven Herzmuskelschaden und einer weiter schwelenden Herzmuskelentzündung zu unterscheiden.


Professor Dr. med. Wolfram Delius, München

 

 


Kann eine Herzmuskelentzündung Folge einer Grippe sein?

Das Risiko besteht grundsätzlich, die Wahrscheinlichkeit seines Eintretens ist allerdings schwer abschätzbar. Prinzipiell können eine Vielzahl von infektiösen Erregern (Viren, Bakterien, Parasiten) eine Entzündung des Herzmuskels hervorrufen. Die Grippe wird durch Viren (Influenza-Viren) ausgelöst. In den meisten Fällen ist die Herzbeteiligung nur eine Randerscheinung der Grippe und heilt oftmals unbehandelt innerhalb weniger Wochen aus. Die Miterkrankung des Herzens kann sich durch beschleunigten Herzschlag (erhöhte Pulsfrequenz) oder durch bislang ungewohntes Herzstolpern bemerkbar machen. Dies sind jedoch Beschwerden, die auf jeden Fall Anlass geben sollten, den Arzt hinzuziehen, gerade auch bei oder nach einer schweren Grippe. Der Nachweis einer Mitbeteiligung des Herzens ist nicht immer leicht, im EKG und bei der Ultraschalluntersuchung (Echokardiografie) findet der Arzt jedoch häufig verdächtige Anzeichen. Gelegentlich kann die entzündliche Miterkrankung des Herzmuskels aber so schwerwiegend sein, dass eine intensivmedizinische Behandlung notwendig ist.


Professor Dr. med. Wolfram Delius, München

 

 


Wie wird eine Herzmuskelentzündung behandelt?

In den meisten Fällen verläuft eine durch Viren bedingte Herzmuskelentzündung (Myokarditis) zum Glück ohne größere Beeinträchtigung der Herzfunktion. Folglich wird sie dann – in diesem akuten Stadium – meistens auch gar nicht bemerkt. Anders ist es, wenn sie chronisch wird. Dann können Beschwerden wie Pulsunregelmäßigkeiten oder Anzeichen einer Herzschwäche, etwa ungewohnte Kurzatmigkeit bei geringer Belastung, auftreten.
In schwereren Fällen oder bei chronischem Verlauf hängt die Therapie vom Beschwerdebild ab.
In erster Linie werden die Herzschwäche und eventuell auftretende Herzrhythmusstörungen behandelt. In der akuten Krankheitsphase braucht das Herz tatsächlich Ruhe. Sport oder andere körperliche Anstrengungen sind daher tabu. Patienten, bei denen anhand einer kleinen Gewebeprobe ein chronischer autoimmunologischer Entzündungsprozess (autoimmunologisch bedeutet: Das Immunsystem bekämpft an irgendeiner Stelle den eigenen Körper) im Herzmuskel nachweisbar ist, kann eine spezifische, gegen die Entzündung gerichtete Behandlung (immunsuppressive Therapie) helfen. Bei schwerer verlaufenden Entzündungen kann aber auch eine Überwachung und Behandlung auf der Intensivstation notwendig werden.

Professor Dr. med. Wolfram Delius, München


Bleiben nach einer Herzmuskelentzündung Narben im Herz zurück?

Können nach einer Herzmuskelentzündung Narben im Herzen zurückbleiben? Was bedeuten sie, und welche Folgen kann eine Herzmuskelentzündung sonst noch haben?

Manchmal kommt es nach dem Abklingen der akuten Entzündung tatsächlich zu bleibenden Schäden an der Herzmuskulatur. Das ist bei einer Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiogramm) an der Vergrößerung der Herzkammern und an Bewegungsstörungen der Herzwand zu erkennen. Anders als ein Herzinfarkt, der „nur“ eine Narbe im Herzmuskels hinterlässt, sind nach einer Herzmuskelentzündung gleich mehrere, meist kleine, über den gesamten Herzmuskel verteilte Narben zu finden. Je nach Ausmaß der Schäden leidet der Patient an den Symptomen einer Herzschwäche und sehr häufig auch an Herzrhythmusstörungen. Die Ausbildung einer Herzschwäche erklärt sich daraus, dass durch die Entzündung viele Herzmuskelzellen zugrundegehen und, wie beschrieben, kleine funktionsuntüchtige Narben im Herzmuskel hinterlassen. Hat sich eine Herzmuskelschwäche erst einmal ausgebildet, lässt sich eine Verschlechterung mit Medikamenten meist nur verzögern. Im Extremfall kann sogar eine Herztransplantation notwendig werden.

 

Professor Dr. med. Wolfram Delius, München

 



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www.apotheken-umschau.de; 13.09.2005, aktualisiert am 09.05.2012
Bildnachweis: W&B/ Bernhard Huber, W&B/ Martina Ibelherr

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